29. Mai 2012

Volt, Watt, Ampère, Ohm - watt volt ihr denn, es gibt doch Strom

Musik? Die Motorsenser sind wieder am Werk...


Der Eimer für den Spannungsabfall steht bereit. Es tun sich Fragen auf. Fragen hinsichtlich der Stromrechnung für die Dunkelkammer.
Es ist ein auch in Reiseführern gerne verbreitetes Vorurteil, dass es hier im Land immer wieder zu Stromausfällen kommen würde. Seit wir hier angekommen sind, habe ich das vier oder fünf Mal erlebt. Die dauerten maximal zwei bis drei Stunden. Und beim Wiedereinschalten werden weder Modems noch Kühlschränke niedergelegt. Da habe ich in anderen Ländern ganz andere Geschichten erlebt.
Das wirkliche Problem liegt woanders.
Das Land hat keine eigene Stromproduktion, ist also auf teure Stromimporte angewiesen. Das wirkt sich ungünstig auf die Preise für die Endverbraucher aus. Zudem gibt es hier eine Fabrik, die nach Schätzungen ungefähr die Hälfte des Gesamtverbrauchs des Landes für sich beansprucht. Wie es um die Firma bereits 2009 stand, darüber kann man im Handelsblatt einen aufschlussreichen Bericht lesen. Als grösster Arbeitgeber sind dadurch natürlich viele weitere Menschen und andere kleinere Firmen landesweit betroffen. Schon damals gehörte die Firma zum Imperium eines Russen. Und letzte Woche stand in den Zeitungen, dass die hiesige Regierung der Deutschen Bank etwas über 20Mio. Euro im Zusammenhang mit jener Fabrik zahlen würde. In welcher Steckdose haben die eigentlich nicht ihre unersättlichen Finger Stecker, oder hats etwa mit dem Sicherungskasten zu tun?
Ein anderes ist die Abwicklung der privaten Stromrechnungen. Die werden monatlich in die Briefkästen gesteckt. Und offenbar mehr oder weniger bezahlt. Als ich meine erste Rechnung auf einer Bank überweisen wollte, wurde ich von der freundlichen Mitarbeiterin gefragt, wieviel ich denn zahlen wolle. Wie? Wieviel ich zahlen will? Ich will die Rechnung bezahlen. Ich verstand nicht recht, aber sie klärte mich rasch auf, dass ich auch "irgendeinen Betrag" überweisen könne. Man lernt nie aus. Da ich meine Rechnungen pünktlich zahle, erhalte ich jetzt jeden Monat einen kleinen Abzug vom fälligen Betrag als Bonus. Es gibt also offensichtlich Stromkunden, die überhaupt nichts zahlen. Ich habe Briefkästen gesehen, da stecken die Stromrechnungen von mehreren Monaten drin.
Wobei ich trotz der exorbitant hohen Strompreise allerdings noch immer im Dunkeln stehe, sind die einzelnen berechneten Posten auf der Rechnung. In der Dunkelkammer wird aus alter Gewohnheit kein unnötiges Licht angelassen. Jetzt ist aber aufgefallen, dass bei Besuch (höherer Verbrauch) die Rechnung am Ende durchaus niedriger ausfällt als bei alleinigem Betrieb der Dunkelkammer.  Eine erste Revision der Abrechnungen ergab dann nebenbei auch, dass einige Posten, die eigentlich konstant bleiben müssten (Allgemeinkosten fürs Treppenhaus z.B.) erheblichen monatlichen Schwankungen unterliegen. Manche Nachbarn haben diese Posten garnicht auf ihren Rechnungen.
Das gibt natürlich fettes Futter für die Fantasie...
Ich bin gespannt, was der Stromlieferant dazu sagen und erklären wird.
Der Eimer für den Spannungsabfall steht jedenfalls schon bereit.

28. Mai 2012

Da zieht es einem das Hemd aus

Red Hot Chilli Pipers - ganz viel munteres schottisches Gebläse...


Wer Herrn Ärmel kennt, der weiss, dass er mit einer Krawatte vor dem reinen Hemd gut auskommt. Ein khakifarbener Mantel, Hut, Regenschirm und eine Kamera vervollständigen das gepflegte Äussere. Und das schon seit einigen Jahrzehnten. Mein derzeitiger Lieblingsmantel hat gut 25 Jahre auf dem Buckel und kommt noch immer ansehnlich daher. Kameras hingegen wurden und werden hin und wieder ergänzt und oder auch gewechselt.
Nun habe ich prinzipiell nichts gegen Änderungen an meiner Kleidung. Gelegentlich jedenfalls. Aber da pflege ich liebgewordene Eigenheiten. Neue Kleider wie Anzüge, Hosen oder Hemden kaufe ich meist gebraucht. Wenn ich welche kaufe. Einen neuen Mantel werde ich in den nächsten Jahren jedenfalls nicht benötigen.
Die letzten Hemden habe ich in Hamburg gekauft. Da gibt es so einen kauzigen Laden, in dem gebrauchte englische Kleidung verkauft wird. Viel originelles wird da angeboten. Schuluniformen, Clubjacken, Schals, Hüte und auch Koffer und Taschen dafür; wer ausgefallenes sucht, kann fündig werden. Mich interessierten dort die Hemden.
Keine Ahnung, wer die vorher trug, aber sie sind gereinigt und stammen fast alle aus der Strasse der Hemdenmacher. Jermyn Street, London. Das war traditionsgemäss das Quartier der Shirt-Makers. Heute wird in den feinen Läden lediglich noch verkauft; geschneidert werden die Hemden längst anderswo.

Irgendwann in diesem Frühjahr blickte Frau Waas besorgt und sagte, Herr Ärmel, sie sollten mal nach neuen Hemden Ausschau halten. Andere Muster, neue Farben, was frisches halt und nicht immer das gleiche. Sie versprach auch, mich beratend zu begleiten. Mir fielen dabei die alten Mosaikplatten in Karthago ein. Als ich die damals sah, kam mir als spontane Idee eine antike Musterabteilung in den Sinn. Ich mag keine Klamottenläden mit mieser, viel zu lauter Musik und den *** Verkäuferinnen. (***das passende Adjektiv verbiete ich mir heute - es ist Pfingsten!)
Ich liess mich letztendlich dann doch überzeugen, stolperte aber über das Adjektiv "neu". In der nächsten Zeit steht kein Besuch in der Hansestadt an. Also durchsuchte ich das Internet, denn man kann schliesslich auch woanders gebrauchte Hemden kaufen. Und siehe da, bei der Sucherei fand ich den Anbieter meiner Hemden und stellte überrascht fest, dass die angebotenen Hemden nicht nur neu, sondern fast genauso preiswert waren wie meine gebraucht gekauften. Frühjahrsaktion! Ausgewählt und bestellt war schnell - und noch ein, zwei zusätzliche Hemden auf Vorrat für die nächsten Jahre...
Das Leben mit Hilfe des Internets könnte so schön und unkompliziert sein. Am Morgen nach der Bestellung kam die Auftragbestätigung. Verfügbarkeit knapp über 50%. Enttäuschend, denn das kostet Zeit und macht unliebsame Arbeit, weil man aufpassen muss. Eine detaillierte Aufstellung, zu welchem Datum die Artikel kommen sollten. Die Daten stimmten fast. Das letzte Hemd kam letzte Woche. 73 Tage nach der Bestellung war der Kauf endlich abgewickelt. Zwischendurch lief bei einer angekündigten Nachlieferung auch mal etwas schief, sodass zusätzliche Mails notwendig wurden.
Überhaupt Mails.
Die bekam ich gleich von Anfang an. 38 bis jetzt (im Schnitt also jeden zweiten Tag eine!). Werbung sollte man ab sofort grundsätzlich Spam nennen; die einzig treffende Bezeichnung.
Frühjahrsaktion, Portoaktion, Wochenendaktion, Osteraktion, Sonderaktion, Frühlingsaktion. Welcher entfesselte Schwachmat denkt sich derlei aus? Und kriegt auch noch Geld dafür.  Das schafft keine Kundenbindung, dass ist Kundenfesselung.
Ich habe Ihnen vorgestern meine persönliche Pfingst-Mail geschickt des Inhalts, dass ich keine Mails mehr wünsche, mein Kundenkonto gelöscht haben möchte, sie mich als Kunden verloren haben und ihnen dabei erklärt, warum ich ihnen das alles schreiben würde. Ich werde nämlich an keiner Befragung meiner Kundenzufriedenheit teilnehmen. Und überhaupt: ab jetzt landen alle ihre Mails im Spamordner.
Die Antwort kam prompt: Ein übliches automatisiertes "es tut uns leid" blablabla, wir werden ihr Kundenkonto jedoch wunschgemäss löschen.
Die nächste Mail kam mailwendend hinterher. Wie es mit meiner Kundenzufriedenheit bestellt sei, ob ich freundlicherweise den kleinen Fragebogen ausfüllen könnte, das würde auch nur einige Minütchen dauern und überhaupt: Es läuft gerade eine Pfingstaktion.
Schade eigentlich, dass die dusselige Firma gutwillige Kunden dermassen annervt, belästigt und (in meinem Fall) auch gleich wieder los ist, denn die Hemden sind wirklich klasse. Die würde ich auch guten Gewissens weiterempfehlen. Dann müsste ich aber den Namen der Firma nennen und ich befürchte, das könnte mich unter Umständen manche Sympathien kosten.

26. Mai 2012

Horch, was kommt von draussen rein? - Pfingsten

Ludwig van Beethoven - Klaviersonaten. Es gibt diese Tage, da...


Die Diskussion zwischen Rom und Byzanz, also der katholischen und der orthodoxen Kirche hinsichtlich pfingstlich göttlicher Gaben dauert offentlich nach wie vor an. Prinzipiell gehts darum, ob der Heilige Geist nur vom Vater ausgeht oder ob der Sohn Jesus auch daran beteiligt ist, was die orthodoxe Kirche verneint. Wie dem auch sei, am kommenden (Pfingst-)Montag ist hier ein ganz normaler Arbeitstag.
Und deshalb haben heute die Handwerker, die über uns gekommen sind, ihr neuerliches Kommen für Montag angekündigt.
Prinzipiell mag ich ja Handwerker, da gibts immer was zum schauen und lernen. Dass fast alle mehr Dreck als notwendig machen, nehme ich gelassen hin, denn ich bin in Altbauten gross geworden, da gabs immer was zu erneuern, zu reparieren oder restaurieren.
Zuerst war der Meister da mit Plan, Metermass und Mobiltelefon. Sprach auch mit dem Eigner der Dunkelkammer dies und jenes. Als ich beiläufig bemerkte, wie da mit Blicken und Metermass schon mal theoretisch vorab hier oder vielleicht doch lieber dort Löcher gebohrt und Leitungen verlegt wurden, wurde ich aufmerksam. Ich überwand die Sprachbarriere und schaltete mich mit Fragen ein, nachdem ich mich dafür entschuldigt hatte, Deutscher zu sein. Manchmal hat man Ideen, die vor Ort zwar gerne angenommen werden, aber ich will den deutschen Besserwisser gerne vermeiden. Und die "Entschuldigung" lockert die Situation mit Heiterkeit auf.
Das habe ich mir angewöhnt, dann erschrecken die Leute notfalls weniger, wenn man Fragen stellt. Ärzte in anderen Ländern beispielsweise sind im finanziellen Vergleich zu deutschen Ärzten zwar fast Hungerleider, können sich aber unbedingt auf ihre Autorität verlassen; einheimische Patienten fragen in aller Regel bei ärztlichen Hinweisen nicht nach.
Bei Handwerkern frage ich grundsätzlich nach, schon aus Erfahrung. Alles kein Problem, sagte der Meister, hier wird alles mit Folie abgedeckt und die Bohrmaschine hört man nicht, äähh, die ist gaaanz leise. Stimmte auch fast alles am ersten Tag.
Ich war angenehm überrascht. Auch von der angekündigten Arbeitszeit: wir arbeiten von 9 bis 3.  Die Bohrmaschine hingegen kreischte wie jede andere auch.
Nun bin ich aber lange Jahre Motorrad gefahren und beherzige den alten englischen Rennfahrerspruch: Zusammengezählt wird am Schluss.
Früher sind Kradrennfahrer manchmal im Rennen gestürzt. Sind sie gleich wieder aufgestanden, dann haben sie ihren Eisenhaufen etwas gebimst und gerichtet und dann gings eiligst weiter. Und manchmal haben solche Sturzpiloten dann tatsächlich am Ende noch das Rennen gewonnen. Das ist lange her, der Spruch hingegen ist noch immer ein probates Mittel gegen voreiligen Optimismus.
Heute war ich gerade auf dem Weg in die Küche, um ein extraleckeres Gulasch zu kochen, als die Elektriker kamen, um eine Leitung zu verlegen. War soweit in Ordnung, also hackte ich Zwiebeln und briet das feine Rindfleisch scharf an.
Das einzige, was mich zu nerven begann, war das nicht enden wollende Bohrmaschinengejaul.
Spontane Assoziation: Pubertierender auf einem Mofa ohne Auspuff - vrooom, vrooooooom, vroom, vroom, vroomm vroooooommm...
Nachschauen? Nebel im Flur! Der Elektriker Mann mit der Bohrmaschine kloppte die Schlitze mit der Bohrmaschine. Ich bin schon rumgekommen, aber das habe ich zum ersten Mal gesehen. Aber ich sah noch was anderes: Die anderen Handwerker, hatten inzwischen ihr Material weitgehend zusammengepackt. Leider auch die PVC Folien, die von allem den Staub abgehalten hatten. Dann war der Herd plötzlich aus. Wir hatten zwar alles organisatorische vorher abgesprochen, aber sich erinnern oder gar dran denken ist nun mal nicht jedermanns Sache.
Überhaupt denken: Der Meister hatte die Markierung (im Foto rechts unten) genau erklärt. Hierhin das Loch, alles hoch in die Ecke und dann im Winkel weiter.
Was geschah im Kopf des Mitarbeiters bei der praktischen Ausführung dieser Arbeitsanweisung?

Mein diesjähriger (dringender) Pfingstwunsch in die himmlische Etage:
Herr, wirf dieses Jahr Hirn vom Himmel und wenns sein muss, dann vielleicht noch dem Einen oder der Anderen einen Hirnschrittmacher - vielleicht gehts dann ja besser...

Und jetzt bin ich mit dem ersten provisorischen Putzen fertig. Denn sie werden wiederkommen. Das Gulasch war übrigens vorzüglich.

Ich wünsche allen ein schönes Pfingstwochenende

25. Mai 2012

Schönheit gegen Vorurteil

Reges Treiben in der Dunkelkammer. Wetter? Was kümmerts da...


Auf Arte, einem der wenigen Fernsehsender, in dem man getrost zwei Sendungen am gleichen Abend sehen kann, ohne an Geist oder Seele Schaden zu nehmen, lief vorgestern die Reportage Wilder Balkan. Darin gings um die wilde Schönheit des Balkan. Diese Sendung wird noch zweimal - leider zu ganz unmenschlichen Zeiten - wiederholt werden (siehe Link). Dann wird die Sendung hoffentlich über die Mediathek des Senders abzurufen sein. Ich empfehle diese Reportage jedem, der jenseits aller Vorurteile einen Eindruck der unglaublichen Wildheit und atemberaubenden Schönheit in jenen Gegenden gewinnen will.
Durch die Medien wird vom südöstlichen Teil Europas seit langem ein einseitig verzerrtes Bild gezeichnet. In der Gebetsmühle der Dummheit rasseln Worte wie Gewalt, Blutrache, mafiöse Kriminalität und (Mitteleuropa bedrohende) Migration. Diese stereotypen Begriffe lassen sich schneller und gewinnbringender verkaufen als differenzierte Informationen, Bilder und Eindrücke. Gewiss gibt es diese negativen Erscheinungen, aber sie sind nur ein Teil der Wirklichkeit. Wen interessiert angesichts einer klingend positiven Bilanz noch Ästhetik oder Schönheit, Natur oder gar Menschen und deren Schicksale.
Südosteuropa ist mehr als nur "der Balkan". Diese Reportage zeigt in kurzen Portraits sechs Landschaften, die mit Superlativen aufwarten können. Grösstes zusammenhängendes Feuchtgebiet der Erde, tiefste Schlucht Europas, grösste noch vorkommende Gänsegeierkolonie, am dünnsten besiedelte Gegenden Europas, die letzten Braunbären, Wölfe, Luchse usw. usf. Der Film präsentiert sechs einizigartige Naturschönheiten in Montenegro, Kroatien, Ungarn, Mazedonien und Rumänien.
In Montenegro hat man begonnen, einen "sanften Tourismus" zu entwickeln. Da ist ein grosses Potential vorhanden und es steckt noch vieles in den Kinderschuhen. Das bietet für Naturfreunde, Wanderer, Hiker, Trekker und Fotografen derzeit noch einzigartige Gelegenheiten, die kernige, wenn nicht urige Erlebnisse ermöglichen. 
Die Bilder in dem Film vermitteln dies überaus eindrücklich. Der Skadarsee, von dem auch mein Foto stammt, ist eine der sechs portraitierten Landschaften.

24. Mai 2012

Sichtweisen (II)

The Simpsons sing the Blues (1990) - Homer singt "born under a bad sign" - bei keinem kommt das glaubhafter rüber...

und ich erzähle derweil eine Geschichte...
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23. Mai 2012

Aus-Bildung ... da staunt der Lachmann, doch wer wundert sich?

Wie das Wetter derzeit ist? - Keine Ahnung....


...wenn man intensiv in der Dunkelkammer beschäftigt ist und die Zeit nur so dahinfliegt. Das bedeutet natürlich nicht, dass man garnichts mehr mitkriegt von der Welt da draussen. Besonders aufmerksam werden selbstredend die unglaublichen Vorgänge in Frankfurt seit letzter Woche verfolgt.
Bei all den Nachrichten kam mir auch ein Video dazwischen, das auf YouTube publiziert worden ist.
Darin geht es um eine Umfrage, bei der zufällig auf der Strasse passierende Passanten nach Gott und der Welt befragt worden sind.
Hier auf diesem Blog wird zwar gelegentlich kritisch über us-amerikanische Gepflogenheiten geschrieben, das bedeutet jedoch nicht, dass ich mir die geistige Uniform der häufig gleichen und ziemlich platten eurozentrischen Vorurteile auch noch anziehe.
Ausserdem kenne ich us-amerikanische Menschen, die diesen Stereotypen so ganz und garnicht entsprechen.
Stichwort "Kultur", die wird US-Amerikanern ja gerne abgesprochen - ich bin jedoch der Meinung, dass US-Amerika sehr wohl zur kulturellen Vielfalt in der Welt seinen Teil beiträgt. Kultur besteht immerhin nicht nur aus alten Gebäuden, klassischer Musik und Umweltschutz.
Dass aus jenem fernen Land bis heute kein Philosoph mit nachhaltiger Wirkung gekommen ist und einfachste demokratische Errungenschaften quasi inexistent sind, ist ein eher schwaches Argument. Dass die meisten dort produzierten Automobile allerdings noch immer mit technisch antiquierten starren Hinterachsen unterwegs sind, regt dagegen schon zum Nachdenken an.
Und was das Essen betrifft? Historischen Artefakten nach zu urteilen isst man in Japan auch nach ca. 3.500 Jahren noch immer mit Stäbchen. Sieht so kulturelle Entwicklung aus?
Queen Anne (1675-1714) beispielsweise erregte sehr unangenehmes Aufsehen an der königlichen Tafel, als sie beim Mahl zum bis dahin einzigen Besteck, dem obligaten Messer, auch noch eine Gabel verlangte. Einen regelrechten Skandal verursachte die königliche Bitte ihrer Majestät. Löffel gabs da auch schon, denn die arme Bevölkerung musste ihre Hafergrütze irgendwie vom Topf in den Mund bringen. Von der königlichen Tafel bis zur allgemeinen Verbreitung der Gabel auch an bürgerlichen Tischen dauerte es aber noch ein gutes weiteres Jahrhundert.
Wer wird also die Augenbraue selbstgerecht kritisch hochziehen, wenn im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten die Esskultur auf eine eigene Art und Weise, und zwar ohne lästiges Besteck kultiviert wird? Und dreckiges Geschirr fällt dabei auch gleich weg. Alles reduziert sich auf das Ergebnis: die Armen sparen an unnötigen haushaltlichen Investitionen, die Abfallsammler sind beschäftigt und die Kassen klingeln in der Konzernzentrale. Das ist kulturelles Fortschreiten.
Was mich allerdings ebenso erschreckt wie die weltpolizeilichen Attitüden, ist das bekanntermassen schauerlich miserable Bildungswesen in jenem Land. Princeton, MIT und Harvard werden gerne mit einer gewissen Ehrfurcht genannt; allein wer kann sich das Ticket für eine dortige Ausbildung denn leisten. Und überhaupt: welche Abschlüsse dortiger Unis werden in Europa denn anerkannt? Was aber lernt der durchschnittliche Mensch auf einer High-School und noch wichtiger, was hat er von all dem am Ende wirklich begriffen?
Wer also wissen möchte, warum Fidel Castro demnächst wahrscheinlich als Sänger auftritt, warum Deutschland zur "Achse des Bösen" gehört und warum die Berliner Mauer in Israel steht, der wird in den knapp sechs Minuten des Videos die erhellenden Antworten bekommen. 

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22. Mai 2012

Eine Segelfahrt die ist lustig....

wenn sieben Sonnen am Himmel stehen...

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...und wenn dann noch in der Dunkelkammer Besuch empfangen wird, bietet sich bei diesem herrlichen Wetter eine fröhlich lustige Fahrt im südlichsten Fjord Europas geradezu an. Im Segelboot. Mit Picknick. Mit Freunden. Bei Flaute mit Motor (leider). Aber gegen Mittag kam eine schöne Brise auf. Da konnten endlich auch die Segel gesetzt werden.
Am meisten haben mich die kleinen Inselchen begeistert, auf denen Kirchlein oder gar kleine Klöster gebaut sind. Manche dieser Inseln haben lediglich einen Felsen als Fundament, auf dem dann die "Insel" von den Menschen der Umgebung künstlich errichtet worden ist. Viele dieser Inseln und die darauf befindlichen Bauten sind mehrere Jahrhunderte alt. Kleine Boote bringen die Menschen der Umgebung und natürlich auch Touristen dahin. Wie auch im Skadarsee (Scutarisee für die Karl May Leser) werden diese kleinen Klöster von einigen wenigen Menschen - Nonnen oder Mönchen - belebt oder teilweise erst in jüngster Zeit wieder in Betrieb genommen.
Ganz im Gegensatz zu dieser beschaulichen Ruhe und Gelassenheit erreichten wir die kleine Stadt Kotor am Ende des Fjords. Mit unserem letzten Besuch erkundeten wir die Stadt und bewunderten ihre Schönheit und die einzigartige Atmosphäre in den engen gewundenen Gassen. Viele Gebäude erstrahlen - mittlerweile restauriert - in der gradlinig schlichten Eleganz der norditalienischen Renaissance.
Die Stadt ist noch immer von der Mauer umgeben, die aus der Zeit stammt, als Kotor venezianischer Besitz war. Von hier aus durch die Windungen des Fjords geschützt, bot sich die Stadt ideal für einen geschützten Hafen an. Und von hier aus nahmen die Händler ihren Weg zu Lande in Richtung Mazedonien und weiter bis nach Byzanz und bis hin zur Levante.
Ein Freund erzählte er mir, wie er einmal mit einem grossen Kreuzfahrtschiff in diesen Hafen gefahren sei. Das ist kaum zu glauben, wenn man über die Dächer der Stadt in die schmale Bucht schaut. Schwer vorstellbar auch, wie sich in die behäbige Stille der kleinen Stadt ein Heer von Touris ergiesst. Der Anblick des riesigen Schiffes belehrte uns jedoch eines Besseren. Überall am Kai und auf den Wegen vor der Stadtmauer wimmelte es von Menschen. Kotor verschwand fast hinter dem monströsen Touristentransporter. Schön, wenn man dieses merkwürdige Schauspiel vom Wasser aus sehen kann.